Du hast endlich frei – und kannst trotzdem nicht abschalten?

Warum freie Zeit allein manchmal noch keine Erholung bedeutet

Frau gönnt sich eine Pause und findet Ruhe im Alltag

Der Feierabend ist da. Die Arbeit ist für heute erledigt, der Kalender hat keine weiteren Termine vorgesehen. Eigentlich könntest du dich jetzt zurücklehnen und den Abend genießen.

Das Problem ist das Nicht abschalten-Können: Du gehst im Kopf noch einmal durch, was morgen ansteht. Du erinnerst dich an die Nachricht, die du beantworten wolltest, überlegst, was du einkaufen musst, und fragst dich, ob du für die kommende Woche wirklich an alles gedacht hast.

Du bist zu Hause. Aber innerlich bist du noch längst nicht angekommen.

Ich glaube, viele Frauen kennen dieses Gefühl. Sie wünschen sich mehr Ruhe, freuen sich auf ein freies Wochenende oder zählen die Tage bis zum Urlaub. Und wenn die freie Zeit endlich da ist, fällt es ihnen erstaunlich schwer, sie wirklich für sich zu nutzen.

Woran liegt das?

Wenn der Kopf keine Feierabendtaste kennt

Wer im Alltag viel Verantwortung trägt, gewöhnt sich daran, vorauszudenken. Was muss noch erledigt werden? Wer braucht Unterstützung? Was darf nicht vergessen werden? Gerade wenn Beruf, Familie und vielleicht die Sorge um die eigenen Eltern zusammenkommen, ist es hilfreich, den Überblick zu behalten.

Das Problem beginnt nicht damit, dass wir Verantwortung übernehmen. Es beginnt dort, wo wir sie gedanklich kaum noch ablegen können und vermeintlich keine Zeit mehr für uns haben.

Dann läuft die innere To-do-Liste weiter, obwohl wir gerade gar nichts erledigen müssen. Wir sitzen mit einer Tasse Kaffee da und denken an den Einkauf. Wir lesen ein Buch und erinnern uns an eine E-Mail. Selbst bei einem schönen Ausflug fällt uns plötzlich ein, was zu Hause noch auf uns wartet.

Erholung wird dadurch zu etwas, das wir zwar dringend brauchen, aber nicht richtig genießen können.

Und manchmal kommt noch ein unangenehmer Gedanke dazu: Eigentlich könnte ich die Zeit doch sinnvoller nutzen.

Sinnvoller als sich auszuruhen. Das klingt doch irgendwie paradox, oder?

Warum Nichtstun sich manchmal gar nicht gut anfühlt

Vielleicht hast du irgendwann gelernt, dass es gut ist, fleißig zu sein, zuverlässig zu bleiben und Dinge ordentlich zu erledigen. Dass man sich auf dich verlassen kann, ist schließlich eine schöne Eigenschaft.

Möglicherweise hast du aber auch gelernt, dass erst die Arbeit kommt und danach das Vergnügen. Dass man sich eine Pause verdient, wenn alles erledigt ist. Oder dass es sich nicht gehört, die Füße hochzulegen, während andere noch etwas zu tun haben.

Solche Überzeugungen müssen uns nicht ständig bewusst sein. Trotzdem können sie beeinflussen, wie wir mit unserer freien Zeit umgehen.

Wenn du tief in dir glaubst, erst etwas leisten zu müssen, bevor du dich entspannen darfst, wird Erholung schnell zur Belohnung. Und diese Belohnung verschiebst du immer wieder, weil es schließlich noch etwas zu erledigen gibt.

Nur: Das Leben liefert selten eine vollständig abgearbeitete To-do-Liste.

Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, eine andere Vorstellung von Erholung zu entwickeln. Du musst nicht erst alles geschafft haben, um eine Pause machen zu dürfen. Du darfst müde sein, obwohl noch Aufgaben offen sind. Du darfst einen schönen Nachmittag genießen, obwohl der Haushalt nicht perfekt ist.

Und du darfst dich ausruhen, ohne anschließend nachweisen zu müssen, dass du es wirklich nötig hattest.

Eine kleine Unterscheidung, die viel verändern kann

Ich möchte dir eine Frage mitgeben, die du in den nächsten Tagen einmal ausprobieren kannst.

Wenn du bemerkst, dass deine Gedanken schon wieder bei den nächsten Aufgaben sind, halte kurz inne und frage dich:

Muss ich mich gerade tatsächlich um etwas kümmern? Oder habe ich nur das Gefühl, mich kümmern zu müssen?

Das ist nicht dasselbe.

Manchmal gibt es tatsächlich etwas Dringendes zu erledigen. Dann ist es sinnvoll, sich darum zu kümmern. Aber manchmal läuft einfach die gewohnte innere Routine weiter. Wir denken an Aufgaben, weil wir es gewohnt sind, an Aufgaben zu denken.

Du könntest dir dann sagen: Ich habe das auf dem Schirm. Ich muss es aber nicht genau jetzt erledigen.

Wenn du Sorge hast, etwas zu vergessen, schreib es auf einen Zettel oder in deinen Kalender. Damit muss dein Kopf es nicht ständig wiederholen. Und dann kehre bewusst zu dem zurück, was du gerade tust.

Zum Buch, das du liest. Zu dem Gespräch, das du führst. Zu dem Blick aus dem Fenster. Oder einfach zu deiner Tasse Tee.

Das klingt unspektakulär. Aber es ist ein Unterschied, ob du deine freie Zeit nur irgendwie überstehst oder ob du sie tatsächlich erlebst.

Du musst nicht immer verfügbar sein

Ein weiterer Gedanke beschäftigt mich in diesem Zusammenhang: Wir können anderen Menschen sehr zugewandt sein, ohne jederzeit für alles zur Verfügung stehen zu müssen.

Vielleicht hast du dich daran gewöhnt, Nachrichten sofort zu beantworten. Vielleicht fällt es dir schwer, eine Bitte abzulehnen, weil du weißt, dass du helfen könntest. Oder du hast das Gefühl, alles im Blick behalten zu müssen, damit nichts schiefgeht.

Natürlich gibt es Situationen, in denen wir gebraucht werden. Und gerade in Familien oder bei der Unterstützung pflegebedürftiger Angehöriger lässt sich nicht einfach jede Verantwortung abgeben.

Trotzdem darfst du prüfen, wo du dir kleine Grenzen setzen kannst. Muss ich diese Nachricht wirklich sofort beantworten? Kann ich die Aufgabe auch morgen erledigen? Darf jemand anderes diesmal den Überblick behalten?

Es geht nicht darum, sich aus allem herauszuziehen. Es geht darum, nicht ständig innerlich auf Abruf zu sein.

Denn wer immer verfügbar ist, hat es schwer, wirklich zur Ruhe zu kommen.

Was ich dir gern mitgeben möchte

Vielleicht brauchst du nicht nur mehr freie Zeit. Vielleicht brauchst du auch die Erlaubnis, diese Zeit nicht sofort wieder mit Aufgaben zu füllen – weder mit denen anderer Menschen noch mit deinen eigenen Ansprüchen.

Du musst nicht aus jedem freien Nachmittag etwas Besonderes machen. Du musst nicht meditieren, Sport treiben, ein gutes Buch lesen oder dich auf irgendeine andere Weise weiterentwickeln. Du darfst auch einfach dasitzen und aus dem Fenster schauen.

Und wenn dir das nicht sofort gelingt, ist das kein Grund, dich auch noch dafür zu kritisieren. Alte Gewohnheiten verschwinden nicht von heute auf morgen. Es reicht, wenn du bemerkst, was gerade passiert, und dich freundlich daran erinnerst, dass du nicht alles gleichzeitig erledigen musst.

Vielleicht beginnt Erholung genau dort: nicht erst, wenn endlich alles geschafft ist, sondern in dem Moment, in dem du dir erlaubst, für eine Weile nicht zuständig zu sein.

Eine Frage zum Schluss: Wenn du heute eine Stunde ganz für dich hättest: Könntest du sie genießen? Oder würde ein Teil von dir die ganze Zeit daran denken, was du in dieser Stunde eigentlich erledigen solltest?

Wenn du magst, nimm dir einen Moment, um darüber nachzudenken.

Und wenn du solche Gedanken und persönliche Impulse gern regelmäßig lesen möchtest, lade ich dich herzlich zu meinem Newsletter ein. Alle 14 Tage schreibe ich über Stress, Selbstfürsorge, Leichtigkeit, meine Bücher und die Dinge, die mich in meiner Arbeit und im Alltag beschäftigen.

Du bekommst keine täglichen Nachrichten, sondern eine persönliche Mail von mir.

[Hier kannst du meinen Newsletter kostenfrei und unverbindlich abonnieren.]

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen